Der Testamentsvollstrecker

Ein Testamentsvollstrecker sichert die Anordnungen des Erblassers, aber auch den Nachlass selbst. Wenn der Erblasser vermutet, dass seine Erben sich nicht ohne weiteres einig werden, wird er einen Testamentsvollstrecker einsetzen. Aber auch dort, wo die Erben nicht die erforderliche Sachkunde und Erfahrung haben (wie z.B. beim vererbten Handwerksbetrieb) bietet sich die Einsetzung eines Testamentsvollstreckers an. Dies gilt schließlich auch für die Fälle, in denen Minderjährige oder nicht voll geschäftsfähige Kinder erben sollen, insbesondere im Falle von deren Behinderung.

Der Testamentsvollstrecker wird eingesetzt zum Erhalt des Nachlasses. Zu diesem Zwecke erhält er sofort die komplette Verfügungsmacht anstelle der ansonsten verwaltenden Erben, die ihre eigene Verfügungsgewalt verlieren. Damit wird zugleich ein Schutz geschaffen gegenüber jedweden Gläubigern der Erben. Denn in der Regel gilt: Dort wo der Erbe nicht verfügen kann, kann auch nicht in den Nachlass gepfändet werden. Der Testamentsvollstrecker unterliegt nicht der Aufsicht des (Nachlass-) Gerichts, anders als z.B. der Vormund oder Betreuer. Aber er haftet denn Erben für jede Fahrlässigkeit. Die Aufgaben des Testamentsvollstreckers bestehen in der Abwicklung des Nachlasses, der Durchführung konkreter Aufgaben oder in einer sogenannten Dauervollstreckung. Der Erblasser kann dem Testamentsvollstrecker praktisch jede Befugnis erteilen, aber auch jede Beschränkung anordnen. Das Testamentsvollstreckeramt kann zudem auf einen Teil des Nachlasses oder gar einzelne Nachlassgegenstände beschränkt werden, z. B. auf ein Mehrfamilienhaus oder auf ein Handelsgeschäft. Testamentsvollstrecker kann jeder sein: Auch ein Miterbe, ein Vor- oder Nacherbe, ein Vermächtnisnehmer oder Nießbrauchsberechtigter, ein Pflichtteilsberechtigter oder ein Vormund/Betreuer eines Erben. In den meisten Fällen werden aber Rechtsanwälte, Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer berufen, ggf. mehrere nebeneinander. Erste und wichtigste Aufgabe des Testamentsvollstreckers nach Amtsübernahme ist die Erstellung eines Nachlassverzeichnisses. Im Übrigen sind alle Aufgaben vom Testamentsvollstrecker sehr sorgfältig auszuüben, da eine spätere Rechnungslegung erforderlich wird, die auch Grundlage einer möglichen Haftung ist.

Wie eingangs bereits berichtet wurde, kann ein Testamentsvollstrecker auch im Rahmen eines Handelsgeschäftes eingesetzt werden; dies bedarf jedoch einer Präzisierung: Der Testamentsvollstrecker kann wegen der beschränkten erbrechtlichen Haftung ein solches Handelsgeschäft nicht auf Dauer führen, sondern nur für seine Abwicklung Sorge tragen, gleich ob es sich um ein privates Handelsgeschäft, eine OHG, eine KG, eine GmbH oder sogar eine AG handelt. Soll ein Testamentsvollstrecker darüber hinaus Einfluss auf das Handelsgeschäft haben, muss der Erblasser besondere Lösungen wählen z.B. dahingehend, dass der Testamentsvollstrecker der Bevollmächtigte der Erben ist oder deren Treuhänder. Ggf. ist auch an eine Verpachtung des Handelsgeschäfts zu denken. Die Einzelheiten sind schwierig und müssen unbedingt von einem Erbrechtsberater und einem Steuerberater begleitet werden.

Ein Erbe kann sich gegen die Anordnung einer Testamentsvollstreckung und den damit verbundenen Beschränkungen seines Erbes in aller Regel nicht wehren. Eine Ausnahme gilt für den auch pflichtteilsberechtigten Erben: Möchte dieser die mit der Testamentsvollstreckung belastete Erbenstellung nicht antreten, hat er die Möglichkeit auszuschlagen und seinen Pflichtteil zu fordern.  

Ein Testamentsvollstrecker kostet Geld. Die Vergütung kann vom Erblasser vorgegeben werden, dann kann der Testamentsvollstrecker selbst entscheiden, ob er das Amt zu diesen Konditionen annimmt oder nicht. Unterlässt der Erblasser eine solche Regelung, hat der Testamentsvollstrecker Anspruch auf eine "angemessene" Vergütung, die im Streitfall das Nachlassgericht festsetzt. Ein Beispiel: Ein Nachlasswert von rund € 250.000,00 soll zu einer Testamentsvollstreckervergütung führen, die zwischen ca. € 7.000,00 bis € 12.000,00 beträgt, bei besonderer Schwierigkeit, Sachkunde oder Dauer aber auch schon mal das Doppelte.

Copyright © 2018 Rechtsanwälte Böckenhoff & Kollegen