Erbschaftssteuerrechtliche Fragen

Das Thema Erbschaftssteuer  ist unbeliebt und kompliziert. Dennoch möchten wir versuchen, ein wenig Problembewusstsein zu wecken. Schließlich geht es um Ihr Geld …

Die Regelungen der Erbschaftssteuer gelten weitgehend auch für Schenkungen, insbesondere um Umgehungen zu vermeiden. Die steuerlichen Auswirkungen können aber zu einem ganz erheblichen Teil gemildert und - vor allem - gestaltet werden, sowohl bei der vorweggenommenen Erbfolge, als auch bei Errichtung eines Testaments. Die persönliche Steuerschuld ist umso geringer, je näher das Verwandtschaftsverhältnis ist. Vor allem bestehen steuerliche Freibeträge, die bei Schenkungen alle 10 Jahre in Anspruch genommen werden können. Stets abzugsfähig sind  Nachlassverbindlichkeiten (v.a. Beerdigungskosten) für denjenigen, der sie übernommen hat, ohne Nachweis von Einzelkosten stets mit einem Betrag von € 10.300,00. Ferner kann der überlebende Ehegatte den konkret zu berechnenden Zugewinnanspruch, den er gehabt hätte, in Abzug bringen. Daneben kann der überlebende Ehegatte einen Versorgungsfreibetrag von bis zu € 256.000,00 geltend machen. Diesen Versorgungsfreibetrag haben auch Kinder des Erblassers bis zum 27. Lebensjahr, allerdings in weitaus geringerer Höhe, nämlich je nach Alter zwischen € 10.300,00 bis € 52.000,00. Schließlich gibt es noch Freibeträge für Hausrat in Höhe von € 10.300,00 (bei besonders nahen Angehörigen sogar € 41.000,00) und für sonstige Nachlassgegenstände, z. B. Kunstgegenstände, in Höhe von € 10.300,00.

Besondere steuerliche Privilegierungen erfahren im Übrigen – zumindest derzeit noch - stets alle Arten von Betriebsvermögen, worauf hier aber lediglich hingewiesen werden soll.  

Schließlich hat jeder Erbe einen generellen Freibetrag, der sich nach seinem Verwandtschaftsgrad zum Erblasser richtet. Der höchste Freibetrag besteht bei Ehegatten und eingetragenen Lebenspartnern mit € 500.000,00, es folgen Kinder mit € 400.000,00 und nach einigen weiteren Abstufungen verbleibt sogar einem Fremden ein Freibetrag von € 20.000,00. Erst das, was übrig bleibt, ist dann mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern. Auch dieser persönliche Steuersatz richtet sich wieder nach der verwandtschaftlichen Nähe zum Erblasser, zusätzlich aber auch nach der Höhe des zu versteuernden Nachlasses. Er beträgt mindestens 7% und höchstens 50%. Eine Ausnahme bildet die Übertragung des Hausanwesens, in dem Eheleute ihren Wohnsitz haben, auf den jeweils anderen Ehegatten. Sie bleibt stets und auch im Wiederholungsfalle völlig steuerfrei, wenn das Objekt noch für 10 Jahre selbst genutzt wird. Vergleichbares gilt für Kinder bei Wohneigentum bis 200 qm Wohnfläche.

Ein Beispiel für die problematischen Auswirkungen des Steuerrechts soll das immer noch beliebte Berliner Testament sein. Bei einem Berliner Testament setzen sich die Eheleute i.d.R. gegenseitig als Erben und die Kinder als Schlusserben ein. Dies führt aber bei Nachlässen ab etwa € 500.000,00 u.U. zu ganz erheblichen steuerlichen Nachteilen, wie folgendes Beispiel verdeutlicht: Ein Ehepaar setzt sich gegenseitig zu Alleinerben ein. Schlusserbe soll der gemeinsame Sohn werden. Das gemeinschaftliche Vermögen der Eltern, je hälftig auf ihren Namen verteilt, beträgt € 1 Mio. So erbt der Überlebende zunächst die andere Hälfte des Vermögens und der Sohn am Ende alles. Steuerlich führt dies zu einer Gesamtsteuerbelastung von ca. € 165.000,00 für beide Erbfälle.
Der Fehler bei dieser nachteiligen Gestaltung liegt hauptsächlich darin, dem Sohn nach dem 1. Erbfall keinerlei Zuwendungen gemacht zu haben, so dass dessen hoher Freibetrag von € 400.000,00 beim Tode des Erstversterbenden überhaupt nicht zum Tragen kommt und - als Folge - der viel zu hohe 2. Erwerb dann auch noch in die Progression läuft. Hätten die Erben ihrem Sohn nach dem Tode des Erstversterbenden ein Vermächtnis von € 400.000,00 ausgesetzt, hätte der Sohn beim ersten Erbfall keinerlei Steuern bezahlt und die Steuer beim 2. Erbfall hätte nur ca. € 29.000,00 betragen. Und wenn dies mit einer (befreiten) Vor- und Nacherbschaft kombiniert wird, kann der überlebende Ehegatte über das spätere Erbe des Sohnes sogar noch weitgehend verfügen.

Ihr Fachanwalt für Erbrecht wird Sie gerne über alle Gestaltungsmöglichkeiten aufklären; also: Verschenken Sie nichts!

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